Mit der Z1000 schlägt Kawasaki eine Brücke zwischen der legendären Z900 "Z1" und einem modernen Allround-Bike. Weil sich das aber stinklangweilig anhört, wird die Z1000 viel lieber als rattenscharfer Streetfighter oder cooles Naked-Bike bezeichnet.
Kawasaki gibt es unumwunden zu: "Wir bauen Motorräder, die stärker und schneller sind als alle anderen". Das gilt auch für die aktuelle Z1000, ein Naked-Bike mit beachtlichen 127 PS und 245 Spitze. Noch `ne Frage? Dabei ist die Z 1000 eigentlich gar kein echtes Naked-Bike. Durch die winzige Verkleidung um den Doppelscheinwerfer müsste man sie in die Fraktion der Sportmaschinen befördern. Heizerkisten haben nämlich eine Verkleidung, und Naked-Bikes, wie der Wortlaut schon verrät, sind eben nackt. Doch so einfach ist das auch nicht. Die Z1000 ist nämlich ein Streetfighter. Eine Mixtur aus Sportmaschine mit einer kleinen Verkleidung und einem halbhohen Lenker, aber ansonsten offen und freiherzig, mit Blick auf die Technik - eben nackt. Alles klar?
Schämen braucht sich die Z1000 deswegen gerade nicht. Dieses "freizügige" Outfit haben die Kawasaki-Mannen ihr ja mit Absicht spendiert. Die Streetfighter-Manie hat Hochkonjunktur und wenn man als Biker schon den ganzen Tag brav und ordentlich ist, möchte man wenigstens eine Maschine, die frech, aggressiv und provokativ wirkt. Letztendlich ist es aber Geschmackssache. Das gilt auch der Auspuffanlage - aber vier Rohre, fast so wie bei der legendären "Z1", das musste einfach sein.
Eine "aufgewärmte Z1" von 1973 ist die Z1000 deswegen noch lange nicht. Die Motortechnik, mit Wasserkühlung, Einspritzanlage und Kat, ist auf dem Stand der Dinge. Verschraubt ist das Kraftwerk in einem Brückenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel und Uni-Trak-Hinterradfederung garantieren Fahrsicherheit und Fahrkomfort. Fürs Anhalten sorgen Scheibenbremsen, für ein ABS ist Kawasaki allerdings noch nicht so weit.
Bei aller Bewunderung für das Prachtstück gibt es jedoch noch eine Steigerung und das ist das Rollout. Oder auch: sich drauf setzen und losfahren. Auf der Z1000 fühlt man sich ab dem ersten Meter wohl. Die geringe Sitzhöhe von 79 cm gibt ein sicheres Gefühl beim Anfahren, und natürlich beim Anhalten sowieso, die kommode Sitzposition und die breite Lenkstange in den Händen darf als Geschenk bezeichnet werden. Gemütlich, ohne dass Stress aufkommt, sucht man sich sein Ziel. Am besten über ein abgelegenes Straßennetz mit vielen Kurven. Denn hier, um es ausdrücklich zu betonen, ist die Fahrmaschine in ihrem Element. Das spielerische Handling verlangt geradezu nach diesem Terrain, kraftvoll schiebt das Triebwerk auch aus niedrigen Drehzahlen die Fuhre vorwärts. Die Geraden nutzt man für Sprint Prüfungen, zielgenau werden die Kurven angebremst, mit leichtem Lenkimpuls wird die Maschine in Schräglage balanciert und gleich nach dem Scheitelpunkt wird wieder beschleunigt. Bei dieser Fortbewegung, damit kein falscher Eindruck entsteht, handelt es sich nicht um eine wilde Bolzerei "ohne Rücksicht auf Verluste", sondern um einen harmonischen und flüssigen Fahrrhythmus. Man kommt nicht mit dem Gesetz in Konflikt und sieht obendrein noch etwas von der Landschaft. Im Neudeutsch ausgedrückt: "Naked-Bike live riding".
So unterwegs kann jedoch leicht der Eindruck entstehen, dass sich mit der Z1000 kein "Wässerchen trüben" ließe. Es geht aber auch anders. Nämlich dann, wenn man beherzter am Kabel zieht, das Drehzahlpotential ausschöpft und sich in das Jobdenken eines unbarmherzigen Streetfighter-Piloten hineindenkt. Dann bleibt kein Augen trocken, das Asphalt glüht und die anderen Verkehrsteilnehmer können sich nur noch wundern. Doch das ist eine ganz ander Geschichte.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen